Grammatik des Schweizerdeutschen

Gibt es eine Grammatik des Schweizerdeutschen?

Auf der Website des Idiotikons (Wörterbuch des Schweizerdeutschen) findet sich folgende Antwort auf die Frage:

Der Begriff »Grammatik« hat verschiedene Bedeutungen und wird demnach auch ganz unterschiedlich verwendet. Eine natürliche Sprache funktioniert nach gewissen Regeln, die ein Sprecher kennt und anwendet, um korrekte Wörter und Sätze zu bilden oder um Urteile über die Korrektheit von Äusserungen zu fällen. Solche Regeln bezeichnen zusammengefasst die Grammatik einer Sprache. In diesem Sinn hat das Schweizerdeutsche eine Grammatik; der Schweizerdeutsch-Sprecher kann beurteilen, dass der Satz I ha Fääler mache falsch ist, denn in der Vergangenheitsform muss das Partizip gmacht stehen und nicht der Infinitiv mache. Diese Regeln werden teilweise in Lehrwerke aufgeschrieben und nach diesen wird unterrichtet. Auch ein solches Lehrwerk bezeichnet man als Grammatik. Zu einzelnen schweizerdeutschen Dialekten existiert eine solche Grammatik, so zum Zürichdeutschen, Luzerndeutschen, Baseldeutsch und Berndeutschen. Diese Grammatiken verstehen sich einerseits als deskriptive Darstellungen, das heisst, sie wollen die Mundarten beschreiben, andererseits machen sie auch einen normativen Anspruch geltend, sie wollen also auch zu einem korrekten Gebrauch anleiten.

Hat das Schweizerdeutsche eine Grammatik?, idiotikon.ch

Aufgaben:

  1. Welche Bedeutungen von Grammatik können Sie unterscheiden?
  2. Suchen Sie einen eigenen Satz, bei dem sich deutlich zeigen lässt, dass es eine schweizerdeutsche Grammatik gibt. Das Grammatik-Problem soll nicht beim Verb liegen.

Dialekt und Orthographie

Auch für Dialekt gibt es orthographische Regeln.

Es gibt sogar mehr als eine. Grundsätzlich kann man zwei Tendenzen unterscheiden:

Dieths Regeln sehen dann wie folgt aus:

Forschungsthemen (Ideen von diesem Thread):

(1) Artikel bei Namen

Adam hat Melanie heute auf dem Tessinerplatz gesehen.
De Adam het d Melanie hüt uf em Tessinerplatz gseh.

a) Welche Regeln gelten hier?
b) Braucht es im Schweizerdeutschen (Zürichdeutschen) bei jedem Namen einen Artikel?
c) Beschreiben Sie die Regeln, machen Sie auch eigene Beispiele.

(2) Grammatische Zeiten

a) Hochdeutsch gibt es sechs grammatische Zeiten – wie viele gibt es auf Schweizerdeutsch?
b) Wie drückt man im Schweizerdeutschen Ereignisse aus, die in der Zukunft liegen?
c) Kann jemand gutes Hochdeutsch sprechen, wenn die Person nur drei grammatische Zeiten beherrscht? Welche wären das?
d) Bonus: Weshalb »grammatische Zeit« und nicht »Zeit«? Wie lautet der lateinische Fachbegriff dafür.

(3) Zahlwörter

a) En Maa / e Frau / es Chind, zwe Manne / zwo Fraue / zwoi Chind.
Was passiert hier mit den Zahlwörtern?
b) Sind das Pronomen oder Adjektive? Warum?
c) »z dritte höch« – was bedeutet das genau?

(4) huere

[I] Ich han huere viel für die Prüefig glernt.
[II] Huere han ich für die Prüefig glernt.

a) Was ist »huere« für eine Wortart?
b) Beschreiben Sie den Unterschied zwischen [I] und [II] mit grammatischen Begriffen.
c) Geht dasselbe auch mit ähnlichen Wörtern? (»Ich han fett viel für die Prüefig glernt.«)
d) Bonus: Was ist der Ursprung des Wortes »huere«? #teamungeheuer vs. #teamprostituierte

(5) Plural von Nomen